Berliner Mauerweg – Etappe 11

Von Griebnitzsee zur Glienicker Brücke

Heute geht’s auf die letzte Etappe unserer Mauer-Wanderung! Es ist nur ein kurzes Stück vom S-Bahnhof Griebnitzsee entlang des Sees bis zur Bushaltestelle an der Glienicker Brücke. Allerdings wolle wir heute dem Mauerverlauf in Klein Glienicke nachspüren, das macht die Sache noch einmal interessant.

Los geht es also am S-Bahnhof Griebnitzsee, gegenüber vom HPI-Campus. Die Anmutung des Bahnsteigs entspricht dem elitären akademischen Anspruch.

Man kann direkt vom Bahnhof aus bis ans Seeufer gehen, wo der tatsächliche Grenzverlauf liegt, kommt aber dort nicht sonderlich weit. Es sind immer nur kleine Abschnitte, die man direkt am See entlang gehen kann, meistens bleibt man dann in so einem Trampelpfad stecken, der an einem Zaun endet. Die Villenbesitzer haben nach der Wende zugeschlagen und sich die Ufergrundstücke gesichert. Die Stadt Potsdam hat das verschlafen, wie uns ein Anwohner genüßlich erzählt, den wir auf der Karl-Marx-Straße treffen, an der die teuersten Villen Potsdams stehen. Wie passend!

Dieses etwas traurig anmutende Plakat hängt in einem Schaukasten am Anleger der Stern-und-Kreis-Fähre. Der Zug ist abgefahren, wie man so schön sagt.

Die Truman-Villa kann man auch vom Ufer aus betrachten. Sie gehört der Friedrich-Naumann-Stiftung. Der Präsident der Vereinigten Staaten Harry S. Truman wohnte hier während der Potsdamer Konferenz; vom 15. Juli 1945 an für 17 Tage zusammen mit US-Außenminister James F. Byrnes und Verteidigungsberater William D. Leahy.

Die Gorl-Morgs-Stroße ist eine recht ansehnliche Wohngegend, müssen wir zugeben.

In einem der Villenvorgärten findet sich dieser Ein-Mann-Schützenbunker, der vom neuen Besitzer des Grundstücks nach der Wende offenbar als Relikt stehengelassen wurde.

Als nächstes kommen wir an der Villa Herpich, auch „Stalin-Villa“ genannt, vorbei. Hier wohnte der sympathische Diktator und Verbrecher während der bereits erwähnten Potsdamer Konferenz, war also quasi ein Nachbar von Truman.

Nun kommen wir an die Stelle, an der die Brandenburger Exklave Klein-Glienicke nach West-Berlin hineinragte. Hier sehen wir die Überreste der ehemaligen Babelsberger Schloßbrücke (auch „Enver-Pascha-Brücke“ genannt) nach Klein-Glienicke, am Horizont ist die moderne Parkbrücke zu sehen.

Während der deutschen Teilung war Klein-Glienicke eine funktionale Exklave und „Sondersicherheitszone“ der DDR und wurde als „Blinddarm der DDR“ bezeichnet.

Von der Parkbrücke aus kann man entlang des Verbindungskanals zwischen der Glienicker Lake und dem Griebnitzsee Richtung Ost/Südost blicken, der immer noch ein Schiffahrtsweg ist.

Richtung Westen erblicken wir den Park mit dem Schloß Babelsberg (Kaiser Wilhelms I. Sommersitz) und am Horizont die Berliner Vorstadt von Babelsberg.

In Klein Glienicke ist es fast unmöglich, auf dem genauen Verlauf der Mauer entlang zu gehen.

Pars pro toto dient diese Stelle, an der der Verlauf der Grenze nach links in den Wald abbiegt, ohne daß es da einen Weg gäbe. Wir schlagen uns durch die Büsche und kommen dann weiter oben auf der Wannseestraße wieder heraus.

Hier stehen noch die alten DDR-Grenzlampen. Die Anwohner haben hier einige kleine Info-Tafeln aufgestellt, auf denen man sich ein Bild vom Zustand in dieser Exklave machen kann. Eine Auswahl:

An der nordostwärtigen Ecke von Klein Glienicke gehen wir ein kleines Stück auf Berliner Stadtgebiet (auch hier läuft die ehemalige Grenze über ein eingezäuntes Privatgrundstück). Das Ortsschild ist über 25 Jahre alt und ebenfalls schon ein Relikt.

Noch einige Infotafeln mit Eindrücken aus der Zeit der Trennung.

Kurz vor dem Ende unserer kurzen Wanderung gibt es noch einmal einen Abschnitt des Grenzverlaufs, den wir tatsächlich durch den Wald entlanggehen können. Er führt uns auf den wenige hundert Meter langen Abschnitt an der B1 (Königstraße), der kurz vor der Glienicker Brücke direkt an der Mauer lag.

Kurz vor der Brücke biegt der offizielle Mauerweg wieder in den Wald ab und führt dann zurück zur Parkbrücke in Klein Glienicke, auf der wir heute ja schon waren. Wir sparen uns das kurze Stück, weil gleich unser Bus kommt.

Von hier ab führt die ehemalige Grenze durch den Wannsee bzw. die Havel; der Mauerverlauf war dann quasi ostwärts von Potsdam das Seeufer. Auf der nördlichen Seeseite in Sacrow führte er dann wieder landeinwärts. Dort begann unsere Wanderung.

Das war also der Lückenschluß und die letzte Etappe.

Uns hat es Spaß gemacht und wir haben viel gelernt.

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