Berliner Mauerweg – Etappe 8

Von Schönefeld nach Lichtenrade

Weiter geht’s auf unserer Umrundung des alten Westberlin auf den Spuren der Mauer. Heute beginnen wir an der Stelle, wo wir beim letzten Mal den Mauerweg Richtung S-Bahnhof Schönefeld verließen: Nämlich an der Kreuzung des Mauerwegs mit der Waltersdorfer Chaussee. Von dort umrunden wir heute Rudow, Gropiusstadt, Buckow und Lichtenrade: Knapp 17 Kilometer.

Vorher müssen wir 1,5 km vom S-Bahnhof wieder zum Ausgangspunkt laufen. Die Gegend rund um Schönefeld zeigt uns den üblichen Lokalkolorit.

Von hier aus beginnt die heutige Etappe. Wir nähern uns dem Mauerweg von Süden und biegen nach links Richtung Westen ab. Das Wetter bietet vollen Sommer: Keine Wolken, 30°C. Da ist es prima, daß der Weg am Südrand von Rudow schon unter Bäumen entlangführt. Das wird heute fast die ganze Zeit über so bleiben, was das Wandern erheblich erleichtert.

Nach einigen hundert Metern, etwa auf Höhe der Kolonie an der Kleinbahn, müssen wir den tatsächlichen Mauerverlauf nach Süden verlassen, weil es hier einige Grundstücke gibt, die auf dem ehemaligen Todesstreifen liegen. Der Mauerweg macht hier ebenfalls eine Ausbuchtung nach Süden und verläuft nun auf dem ehemaligen Kolonnenweg der Grenztruppen, an dem sogar noch die alten DDR-Lampen stehen.

Hier müssen wir jetzt eine kurze Strecke lang durch die pralle Sonne laufen, aber wir haben ja einen Sonnenhut. Kurz darauf ist dann dieser Abschnitt gelaufen und wir können wieder ein Stückchen nach Norden zurück auf den Mauerverlauf und den Mauerweg.

Der Weg ist hier prima ausgebaut und er wird auch wieder schattig. Wir umlaufen jetzt an seiner südwestlichen Ecke den Park „Dörferblick„, eine ehemalige Müllkippe, die man in einen Landschaftspark umgestaltet hat. Von dort hat man einen Panoramarundblick, wahlweise auf die brandenburgische Steppe oder die Gropiusstadt. Beides reizt uns nicht stark genug, um den Müllberg zu erklimmen.

Der offizielle Mauerweg deckt sich hier teilweise nicht mit dem Mauerverlauf – ein Umstand, den wir ja schon öfter bemerkten, und der (dem treuen Leser ist dies bekannt) als eine der Hauptmotivationen für unser Unterfangen dient. Wir laufen also eine kleine Strecke lang auf einem Trampelpfad durch den ehemaligen Todesstreifen Richtung Norden – offensichtlich gibt es noch mehr Leute, die das interessant finden.

Dann kommen wir am südlichen Rand der Gropiusstadt vorbei, einem in mehrfacher Hinsicht katastrophal verunglückten Menschenexperiment der kommunistischen Sozialklempnerei á la Le Corbusier und Konsorten.

Wir können dann glücklicherweise wieder Richtung Südwesten abbiegen. Auf dem nun wieder schattigen Mauerweg kommen wir an der auf unserer heutigen Etappe ersten Gedenkstele an ein Opfer der Grenztruppen vorbei. Da der Tag des Mauerbaus gerade erst gewesen ist, ist sie mit Kränzen geschmückt.

Sie erinnert – auch hier stellvertretend – an die zahlreichen weiteren Menschen, die auf unserem heutigen Abschnitt beim Versuch, der DDR zu entkommen, von den Soldaten der Grenztruppen erschossen wurden.

Sozialismus tötet.

Ein Blick durch die Hecke Richtung Süden offenbart uns die sprichwörtliche Brandenburgische Steppe in Groß-Ziethen, hier unterbrochen durch einen weiteren Hügel, der mal eine Mülldeponie war.

Auf dieser Deponie auf dem Gebiet der DDR wurde Hausmüll aus West-Berlin gelagert, der über einen eigens dafür (und nur dafür) angelegten Grenzübergang aus Neukölln nach Groß-Ziethen gefahren wurde. Die DDR betrieb diese Deponie gegen harte Devisen – ein weiterer Baustein, der den Fortbestand der DDR verlängerte: Westgeld für Müll.

Weiter geht es entlang des Stuthirtenwegs, der hier mit einer Reihe Poller von der Grenzstraße in Groß-Ziethen getrennt ist. Dort, wo zwischen den beiden Straßen das Unkraut sprießt, stand die Mauer.

Am Straßenrand steht diese Göttin.

Nun gilt es noch, Lichtenrade zu umrunden. Das geschieht auf einem sehr angenehm schattigen Weg durch recht wildes Gehölz, das hier nach dem Fall der Mauer auf dem Todesstreifen gewachsen ist. Der genaue Mauerverlauf ist nicht mehr zu betreten; auf ihm stehen hier die Gartenzäune der Lichtenrader. Der Weg verläuft etwa 10 Meter weiter ostwärts.

Auch hier gibt es Durchgänge nach Lichtenrade hinein (wo der offizielle Mauerweg verläuft). An den Stellen, wo diese Trampelpfade die Landesgrenze queren, stand die Mauer, nur noch an den Pollern erkennbar.

An der südlichsten Ecke des ehemaligen West-Berlin kann man den Todesstreifen noch als wildbewuchertes Areal sehen, bevor es dann unter der B96 durch weiter Richtung Westen geht. Dieses Gebiet nennt sich „Waldgelände ostwärts des Kirchhainer Dammes“, und man glaubt es kaum: Für dieses kleine grüne Fleckchen, das noch zu Westberlin gehört, gibt es eine eigene Verwaltungsvorschrift, verordnet „auf Grund der §§ 5 und 19 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. I S. 821) in der Fassung des Dritten Änderungsgesetzes vom 20. Januar 1938 (RGBl. I S. 36) sowie auf Grund des § 13 der hierzu ergangenen Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBl. I S. 1275) in der Fassung der Ergänzungsverordnung vom 16. September 1938 (RGBl. I S. 1184)“, no less.

Nach Unterquerung der B96 geht es durch lichten Baum- und Strauchbewuchs um das südliche Lichtenrade herum.

Auf Höhe des S-Bahnhofs Lichtenrade beenden wir unsere heutige Etappe, biegen nach Osten in den Ortsteil hinein ab und begeben uns auf die Heimreise. Auf einem der Umsteige-Bahnhöfe finden wir ein passendes Hinweisschild, das uns daran erinnert, daß wir nunmehr wieder in der „Zivilisation“ angekommen sind.

Demnächst mehr in diesem Theater!

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