Von Alt-Treptow bis Schönefeld
UPDATE im Abschnitt zu Chris Gueffroy ⇩.

Weiter ging es heute auf dem Mauerweg bzw. dem Verlauf der Berliner Mauer, der – wie der geneigte Leser inzwischen weiß – nicht immer mit dem offiziellen Mauerweg übereinstimmt. Auch heute gab es wieder eine kleine Abweichung, auf unserem Weg von Alt-Treptow nach Schönefeld.

Wir starteten dort, wo wir unlängst den Mauerweg verließen, nämlich an der Ecke Treptower Straße/Kiefholzstraße, wo der Mauerweg Richtung Südosten abbiegt.


Sobald man unter der S-Bahn-Brücke durch und über die A 100 hinüber ist, läuft man ziemlich lange immer an der südlichen Seite der Kiefholzstraße entlang; auf der rechten, West-Berliner Seite befinden sich ausgedehnte Kleingartenanlagen, die während der Zeit der Teilung dort ein seliges Dasein am Ende der Welt pflegten. Auf der linke Seite stehen jede Menge alte, ausgediente West-LKW und Transporter, die von wem auch immer als Wohnung oder Absteige genutzt werden:

Auf der Tür Dieses alten 911ers steht (in kyrillischen Buchstaben, aber auf deutsch): „Fahrende gerührte Kotze“. Und alles daran ist schön, wie man in Berlin zu sagen pflegt.

Die Strecke entlang der Kleingärten ist grün und angenehm zu gehen, heute ist hier erstaunlich wenig Verkehr (vielleicht ist hier auch immer erstaunlich wenig Verkehr, wer weiß das schon). Bei unseren lokalen Recherchen über die Laubenpieper finden wir heraus, daß es sogar einen Berliner Landesverband der Gartenfreunde e.V. gibt. Immerhin.
Dann erreichen wir die Stelle, an der der Mauerweg (und der Mauerverlauf) die Straße nach Süden verläßt, und dann dem Verlauf des nördlichen Heidekampgrabens einem innerstädtischen „grünen Band“ folgt. Am Abzweig von der Kiefholzstraße befindet sich ein Mauerdenkmal.

Hier lohnt sich ein zweiter Blick auf die Inschrift der Fußplatte der Skulptur:

Sozialismus tötet.
Weiter geht’s Richtung Südosten durch den Heidekamppark, der hier eine wirklich schöne Oase in der Stadt ist.


Am Ende des grünen Bandes queren wir eine Straße, die hier noch recht beschaulich ist, sich aber nördlich Richtung Neukölln zu einem der schönsten, beliebtesten und prachtvollsten Boulevards der westlichen Hemisphäre entwickelt: Die Sonnenallee!
Wir halten es mit Wilhelm Busch.

„Schnell verläßt er diesen Ort und begibt sich weiter fort.“

Alsobald stoßen wir auf den Britzer Verbindungskanal, der hier zur Zeit der Trennung aus dem Westteil der Stadt etwa 100m Meter in den Ostteil hineinragte. Der offizielle Mauerweg führt nach Westen zur Chris-Gueffroy-Allee, wir folgen dem Mauerverlauf nach Osten bis zur Brücke der Baumschulenstraße, die wir durchs Gestrüpp erklimmen und auf der anderen Seite des Kanals wieder hinunterkrabbeln. Ab dann verläuft der ehemalige Todesstreifen am Südufer des Verbindungskanals entlang Richtung Westen.

Nach einigen Minuten liegen auf der linken Seite zwei Feldsteine im Gras:

Und auf der rechten Seite am Ufer steht diese Stele:

UPDATE: Zuständig für den Abschnitt der Mauer, in dem Chris Gueffroy erschossen wurde, war das Grenzregiment 33 (Berlin-Treptow) des Kommandos Grenztruppen der DDR. Dort diente während jener Zeit Oberleutnant Sven Hüber, zunächst als Politoffizier (zuständig für die ideologische Schulung, Propaganda und „Erziehung zum Klassenhass“ der Grenzsoldaten) und stellvertretender Kompaniechef, später auch als Jugendinstrukteur.
Heute ist Hüber Erster Polizeihauptkommissar, Vorsitzender des Hauptpersonalrats der Bundespolizei (seit 2000, freigestellt), Vorsitzender der Bundespolizei-Stiftung und stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).
Hüber versuchte vergeblich, die Nennung seines Namens im Zusammenhang mit seiner Politoffiziers-Tätigkeit und dem Fall Gueffroy zu unterbinden. Mehrere Gerichte entschieden allerdings, dass die Berichterstattung darüber zulässig sei; eine Anhörungsrüge gegen die letztinstanzliche Entscheidung scheiterte vor dem Bundesgerichtshof.
Es stehen eine Menge Gedenk-Stelen auf unserer heutigen Etappe. Diese soll stellvertretend für alle stehen. Niemals vergessen. Niemals vergeben.

Dann kommen wir zum Hafen Britz-Ost unter der Brücke der A113. Hier beginnt der Teltowkanal, dem wir ab sofort Richtung Südosten folgen, und zwar auf der Ostberliner Seite, wo auch die Mauer verlief. Dieser Streckenabschnitt bis zur Kreuzung der A113 über den Teltowkanal ist langweilig und eintönig.

Über diese Brücke queren wir nun wieder Richtung Süden den Teltowkanal. Auf der Brücke finden wir, wie überall entlang der A113, massenhaft Graffiti. Wir lassen eines davon stellvertretend für die anderen sprechen:

Direkt nach dem Kanal kommt rechter Hand eine Brachfläche, über die der Todestreifen führte.

Wir können erst nach weiteren 100 Metern auf dem offiziellen Mauerweg rechts abbiegen und die Spur der Mauer wieder aufnehmen – nämlich an der Rudower Sraße.

Dort verlassen wir den Mauerweg und umrunden den Kiesteich, dessen Umgrenzung noch aus Teilen der alten Grenzanlagen besteht.

Dort, wo der Mauerverlauf aus der erwähnten Brache wieder auf begehbare Wege trifft und entlang des Kiesteiches wieder auf den Mauerweg führt, ist er auch wieder auf dem Boden markiert.

Wir wandern weiter entlang der A113, bis diese unter der Erde verschwindet. Es wird plötzlich still und grün, wir gehen durch den Landschaftspark Rudow-Altglienicke.

Hier ist es echt schön. Am Ausgang des Parkes kreuzt der Mauerweg die Waltersdorfer Chaussee. Hier ist auf der südlichen Seite jetzt auch nicht mehr das ehemalige Ostberlin, sondern das Land Brandenburg.

Dieser alte Mauerrest steht noch daneben:

An dieser Stelle endet unsere heutige Etappe. Wir laufen noch bis zum S-Bahnhof Schönefeld und fahren nach Haus.
Bald mehr auf diesem Kanal!
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