Berliner Mauerweg – Etappe 5

Von Wilhelmsruh bis zum Humboldthafen

Weiter geht es auf den Spuren der Berliner Mauer. Die heutige Teilstrecke führt uns vom S-Bahnhof Wilhelmsruh, der im Bezirk Pankow liegt, zum Humboldthafen in Mitte, gleich neben dem Hauptbahnhof.

Da die Anfahrt etwas umständlich war (Bauarbeiten, SEV etc.) kommen wir erst mittags hier an und gönnen uns gegenüber des Bahnhofs erst einmal einen Döner, bevor wir dann die ersten knapp 2 km an der S-Bahn-Strecke Richtung Südosten wandern, durch das – etwas euphemistisch so genannte – „Grüne Band Berlin Schönholz„.

Mit etwas gutem Willen kann man das Unkraut und die wildwuchernden Sträucher als ein solches annehmen. Hier ist es jedenfalls noch recht ruhig. Der eigentliche Mauerweg verläuft 100 Meter weiter links von uns, wir allerdings bewegen uns tatsächlich auf dem ehemaligen Mauerverlauf. Kurz vor dem Ende des grünen Unkrautstreifens kreuzen wir die Klemkestraße, an der ein auf private Initiative hin entstandenes Gedenkkreuz an einen der zahlreichen Mauertoten erinnert.

Wir verzichten vorerst auf Bilder und Hinweise auf die vielen Stelen und Gedenktafeln für die Opfer der Kommunisten, die auf dem vor uns liegenden Streckenabschnitt liegen und konzentrieren uns lieber auf das Aufspüren des Mauerverlaufs, der inzwischen im dicht bebauten Berlin nicht immer ganz so einfach zu finden ist.

Jenseits der Provinzstraße endet die Möglichkeit, dem Mauerverlauf entlang der S-Bahn zu folgen, im Gestrüpp. Hier wird viel gebaut und wir müssen einen kleinen Bogen schlagen, um dann entlang des Bürgerparks Pankow weiter voran zu kommen. Immerhin laufen wir hier bald wieder auf dem offiziellen Mauerweg.

Zunächst, auf Höhe des S-Bahnhofs Schönholz, passieren wir ein typisch berlinerisches Asozial-Stilleben, welches uns daran erinnert, in was für einer Gegend wir hier unterwegs sind.

Immerhin haben die Bauarbeiter, die hier mit dem Aufreißen der dürren Berliner Scholle beschäftigt sind, Sinn für die schönen Dinge des Lebens, zum Beispiel Damenunterwäsche.

Wenn man sich aufmerksam umschaut, erkennt man hinter Bauzäunen und viel Gestrüpp noch Spuren und Reste der alten Grenzbefestigungen.

Dann gibt es wieder etwas für’s Auge. Im Bürgerpark liegt der Friedhof Pankow III, auf dem eine schöne neugotische Kapelle mit Leichenhaus aus der Kaiserzeit steht.

Dann überqueren wir die Panke, die hier noch sehr naturbelassen dahergluckert.

Pankow ist hier teilweise wirklich schön und die Häuser sehr liebevoll restauriert.

Wir wandern dann wieder entlang der S-Bahn bis zum „Nassen Dreieck„, das heuer eher trocken daherkommt. Es handelt sich dabei um eine Brache im „Dreiländereck“ zwischen den Berliner Stadtteilen Wedding, Prenzlauer Berg und Pankow. Man überläßt das Areal sich selbst, nennt das „naturnahe Räume“, und im regenarmen Berlin wird daraus dann eine unansehnliche Steppe.

Weiter geht es, nun fast genau Richtung Süden, auf die Bornholmer Straße zu. Der Weg unter der S-Bahn hindurch eröffnet wieder einschlägige Berliner Perspektiven.

Wir erreichen die Bornholmer Straße unterhalb der Bösebrücke, einem denkmalgeschützten, 110 Jahre alten Meisterwerk des Stahlbaus, das unser Ingenieurherz höher schlagen läßt. Hier fiel am 9. November 1989 die Mauer: Über die Bösebrücke gelangten die ersten ostberliner Bürger nach West-Berlin und der Sozialismus in der DDR war Geschichte.

Entlang der Norwegerstraße stehen auch noch ein paar Reste der Grenzanlagen, auch wenn es nicht die eigentliche Mauer ist. Südlich der Behmstraße geht es dann über den Schwedter Steg und den Gleimtunnel Richtung Mauerpark. Auch hier gibt es wieder einige schöne Ecken anzuschauen.

Der Schwedter Steg.

Blick in die Korsörer Straße.

Blick auf das Dach des Gleimtunnels, auf dem der Todesstreifen die Gleimstraße kreuzte.

Nun wandern wir südwärts durch den schönen Mauerpark im Ortsteil Prenzlauer Berg. Unser Weg verläuft hier direkt auf der Linie der Berliner Mauer und auf dem offiziellen Mauerweg bis zur Bernauer Straße, wo das Abbiegen der Mauer Richtung Westen durch die ersten Installationen der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ gekennzeichnet ist.

Nicht nur Opfern der Kommunisten wird hier gedacht, sondern auch derer, denen die Flucht gelang oder die beim Versuch festgenommen wurden.

Wenn man ein kleines Bißchen weiter südlich entlang der Bernauer Straße läuft, geht man zwischen den Wohnblöcken entlang. Der dort befindliche Weg ist der ehemalige Kontrollweg der Mauer.

Eines der weitläufigen Areale der Gedenkstätte mit dem wohl berühmtesten Foto zum Thema Flucht in die Freiheit: Der Sprung des 19 Jahre jungen DDR-Grenzers Conrad Schumann, der im August 1961 an der Ecke Bernauer und Ruppiner Straße über den Stacheldraht in den Westen floh.

Ein Besuch des erhaltenen Todesstreifens an der Ecke Bernauer und Gartenstraße können wir nur jedem Besucher wärmstens ans Herz legen. Die Reaktionen der Touristen auf die Spalten und Ritzen in der Mauer geben ein beredtes Bild über die Zustände während der Teilung Berlins.

Stellvertretend für die bis hierher ausgelassenen zahlreichen Stelen und Erinnerungstafeln steht die lange Wand mit den Bildern aller 140 Menschen, die an der Berliner Mauer von den DDR-Grenzern erschossen wurden oder auf andere Weise beim Fluchtversuch ums Leben kamen. Sozialismus tötet.

Nun geht es die Gartenstraße entlang Richtung Nordwesten, entlang der alten Mauer des Parks am Nordbahnhof, die szenetypisch „verziert ist. Wir erreichen den Kreisel unter den Liesenbrücken und biegen wieder nach Südwesten ab Richtung Nordhafen.

Daß die alten Liesenbrücken aus dem 19. Jahrhundert noch stehen, ist ein kleines Wunder. Genietete Stahlbauten halten erstaunlich lange.

Nachdem wir das Bundeswehrkrankenhaus Berlin umwandert haben, geht es entlang des Nordhafen-Kanals Richtung Invalidenfriedhof. In der Ferne leuchtet die Rache des Papstes.

Der Invalidenfriedhof ist einer unserer Lieblingsorte in Berlin. Viel Ruhe und Platz, um auf einer der Bänke über den Zustand der Welt nachzudenken.

An der Außenmauer des Invalidenfriedhofs befindet sich diese Gedenktafel an das erste Maueropfer mit dem eindrucksvollen Foto, das die Bergung Günter Litfins aus dem Becken des Humboldthafens zeigt. Sozialismus tötet.

Am Humboldthafen unterhalb der Hugo-Preuß-Brücke endet unsere heutige Wanderung. Bald mehr auf diesem Blog!

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