Von Hermsdorf nach Wilhelmsruh
Unsere nächste Etappe auf den Spuren der ehemaligen Berliner Mauer ist eine kurze. Die 11 km lange Wanderung führt uns vom Startpunkt an der Grenze zwischen Glienicke/Nordbahn in Brandenburg und Hermsdorf im Berliner Bezirk Reinickendorf bis zum S-Bahnhof Wilhelmsruh im Märkischen Viertel.


Wir starten also an der Stelle, an der der „Entenschnabel“ wieder auf die Berliner Straße (B 96) trifft. Dort quert der Mauerweg und führt dann entlang der Veltheimstraße Richtung Osten. Das Wetter ist toll, die Stimmung bestens – auf geht’s!
Hier in der Verltheimstraße stoßen die südlich des Mauerverlaufs gelegenen Grundstücke in Berlin mit ihren Gartenzäunen an die nördlich gelegenen Grundstücke im Land Brandenburg. Die heutigen Gartenzäune liegen genau auf dem Verlauf der Mauer. Ein Ur-Berliner Anwohner (West) erzählt mir im Gespräch, wie er als Kind mit seinen Kumpels vom elterlichen Garagendach aus die Lampen der Grenzsicherungsanlagen mit dem Luftgewehr ausgeschossen hatte, sehr zum Unmut der Grenzer, die direkt hinter seinem Grundstück patrouillierten und dagegen machtlos waren: Immer, wenn sie atemlos den Ort des Geschehens erreichten, waren die Bagaluten schon wieder weg. Sehr sympathischer Mann!

An dieser Stelle gibt es einen Übergang nach Glienicke/Nordbahn für Fußgänger und Radfahrer. Auf der anderen Seite liegt dann – wie passend – die Karl-Marx-Straße.

Am Ende der Verltheimstraße endet auch die Bebauung dieser Ortslage und wir erreichen den Wald der Ortslage Lübars.
Hier ist es etwas schwierig, den genauen Verlauf der Mauer zu finden, da der gesamte Bereich ein Naturschutzgebiet ist und wir uns nur auf hölzernen Pfahlstegen bewegen können. das allerdings ist wunderschön und wir behalten den tatsächlichen Mauerweg, der hier ein wenig anders verläuft, auf der Karte im Auge.

Der Weg führt uns durch die Eichwerder Moorwiesen und berührt dann nach kurzer Zeit wieder den tatsächlichen Mauerverlauf, was man an einigen Stellen anhand der Unterbrechung des Bewuchses auch noch erkennen kann.

Weiter geht es Richtung Osten, bald wieder genau auf dem Verlauf der Mauer. Rechter Hand liegen die Feuchtwiesen zwischen dem Tegeler Fließ in Lübars und unserem Weg. Unzugängliche Natur. Die Frösche quaken, die Reiher rufen – sehr schön hier.

Dann, am Ende dieses naturnahem Abschnittes, trifft auch wieder der offizielle Mauerweg auf unsere Route. Vermutlich wegen der nicht ganz so robusten Holzstege hat man den Mauerweg wohl auf die Straße verlegt.
Es geht vorbei an der Sanddüne am Mauerweg und dann, nachdem wir Richtung Süden abgebogen sind, auch am Köppchensee.

Ostwärts von Lübars, an der Querung der Bahnhofsstraße, gibt es einen schattigen Rastplatz, wo wir unsere mittägliche Vesper einnehmen.

Von jetzt an ändert sich das Landschaftsbild. linker Hand tut sich die Zingergrabenniederung auf und man kann hier „weit gucken“, In der Ferne grüßt der Fernsehturm am Alex.


Die Gegend hier ist wirklich schön, vor allem der Blick nach Brandenburg. Wir wandern weiter Richtung Süden, auf das märkische Viertel zu. Kurz bevor wir wieder besiedeltes Gebiet erreichen, stößt von Nordwesten her die Heidekrautbahn auf unseren Weg, die einst von Schönebeck in der Nordheide bis nach Wilhelmsruh führte. Auf diesem südlichen Abschnitt findet nur noch gelegentlich Güterverkehr statt, deshalb ist die Strecke auch noch nicht stillgelegt.

Am Wegesrand finden sich noch ein paar alte Elemente des Kolonnenweges.

Und natürlich, da wir uns wieder der Stadt nähern, erste Hinweise auf typische Berliner Zivilisation.

Auf der ostwärtigen Seite erreichen wir nun die Ortslage Rosenthal im Bezirk Pankow. Hier wohnt offenbar ein alter Reichsbahn-Werktätiger. Stilecht mit originaler DDR-Lampe „BG 0“ des VEB Leuchtenbau Leipzig.

Alsbald erreichen wir den Wilhelmsruher Damm, den wir überqueren müssen, um dann entlang der Heidekrautbahn ins Märkische Viertel vorzustoßen. Auf dem Gehweg des Wilhelmsruher Damms befindet sich eine Markierung zum ehemaligen Mauerverlauf.

Nun erreichen wir das Märkische Viertel, eine 70er-Jahre-Hochhaussiedlung mit nicht sonderlich anheimelndem Ambiente. Immerhin verläuft die ehemalige Mauerlinie durch einen Grünstreifen.

Alsbald erreichen wir die südostwärtige Ecke des Viertels und queren den Nordgraben.

Entlang dieses ehemaligen Entwässerungsbauwerks umrunden wir dann das große Gewerbegebiet, das aus dem ehemaligen VEB Bergmann-Borsig hervorging und bereits im Bezirk Pankow liegt. Der Wendehammer am Ende der Zuwegung zum Werk ist ein typischer Berliner Wohlfühlort.

Dann erreichen wir die Trasse der S1, die hier auch exakt den Grenzverlauf markiert. Gingen wir hier geradeaus weiter unter der S-Bahn hindurch, wären wir wieder in Reinickendorf und damit im alten West-Berlin. Kurz vor der Trasse biegt der ehemalige Mauerverlauf links ab Richtung Süden und ist hier ein Fahrradweg zwischen dem Industriegebiet und der Bahn.

Entlang dieses Weges gibt es hin und wieder weitere Unterführungen nach Reinickendorf, die auch hier den typischen Berliner Charme atmen.

Nachdem wir das südliche Ende des Gewerbegebietes erreicht haben, können wir noch ein kurzes Stück genau auf dem ehemaligen Todesstreifen der Mauer entlanggehen.

Zwischen den Bäumen Zeugen alter Industriebaukultur, wie sie zu Zeiten Wilhelms II. entstand. Allein diese Ensembles wären schon einen Besuch wert. Da machen wir uns einen Knoten ins Taschentuch und werden uns das vor dem Beginn der nächsten Etappe mal genauer Ansehen.

Denn das war’s auch schon. Wir erreichen den S-Bahnhof Wilhelmsruh und setzen uns die Bahn Richtung Heimat.

Folgen Sie uns für weitere Folgen unserer Wanderung auf den Spuren der Mauer!
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