Berliner Mauerweg – Etappe 3

Von Hennigsdorf nach Hermsdorf

Wir sind wieder auf dem Mauerweg unterwegs gewesen, genauer: Auf der Spur des tatsächlichen Mauerverlaufs. Auch auf dieser, unserer dritten Etappe war das nicht immer möglich, manchmal – mit etwas Spürsinn und Pfadfindergeist – aber doch noch möglich.

Á propos Pfadfinder: Wir haben unseren Fellaffen eingeweiht: einen Schweizer Militärtornister aus dem Jahr 1943, den wir uns unlängst auf eBay in erstaunlich gutem Zustand zu einem guten Preis geschossen hatten. Gemeinsam mit dem Wanderstock und dem Hut ist das die standardmäßige Ausstattung für den Pfadfinder oder den Wandervogel.

Vom S-Bahnhof Hennigsdorf aus müssen wir erst einmal gut 2 km zum Startpunkt unserer heutigen Etappe wandern. Zu diesem Behufe müssen wir auch die Havel queren. Die L17 führt hier über eine Brücke, die gerade erneuert wird.

Der Nachfolger liegt schon fertig geschweißt daneben und muß in naher Zukunft noch eingefahren werden, wenn die Widerlager fertig und die alte Brücke aus dem Weg geräumt wurde. Da lacht das Herz des Stahlbauingenieurs.

Hinter der von hier aus südlich gelegenen Eisenbahnbrücke liegt der Punkt, an dem die ehemalige Grenze die Havel durchquerte. Den wollen wir jetzt mal suchen.

Und tatsächlich: Nach ein paar Schritten durchs Gebüsch neben der Ruppiner Chaussee tut sich ein Trampelpfad auf, dem wir folgen und dann genau an der Stelle rauskommen, die oben auf der Übersichtskarte mit dem ersten gelben Pfeil gekennzeichnet ist.

Hier ist von irgendwelchen Mauer- oder Grenzresten nichts mehr zu sehen. Reinstes Flußufer-Idyll. Wir machen kehrt und gehen zurück, überqueren die Landstraße und können nun auf der anderen Straßenseite auf dem ausgeschilderten Mauerweg, der hier als prima Radweg ausgebaut ist, draufloswandern.

Schon bald nähern wir uns der Autobahn A 111, die hier Berlin Richtung Norden verläßt. Der heutige Rastplatz Stolper Heide war zu Zeiten der Teilung ein Grenzübergang. Darauf weisen entsprechende Info-Säulen an der Brücke über die Autobahn hin.

Hinter der Brücke verlassen wir den offiziellen Mauerweg und wandern auf einem Waldweg, der nur knapp südlich der ehemaligen Mauer entlang führt, an Frohnau vorbei Richtung Norden. Am Wegesrand finden sich in regelmäßigen Abständen noch alte Zaunpfähle der Grenzanlagen.

Die Wanderung ist von hier an unspektakulär. Linker Hand die offene Feldmark; es ist sonnig und windig. Rechts hinter einer Baumreihe der Berliner Ortsteil Frohnau.

Nachdem wir Frohnau umrundet (oder eher „umeckt“) haben, geht es wieder Richtung Norden auf dem ausgeschilderten Mauerweg entlang. Dann erreichen wir den Nordpunkt des ehemaligen West-Berlin, die Invalidensiedlung.

An deren Westseite, hinter den Gartenzäunen, verlief die Mauer. Man kann hier einen kleinen Trampelpfad nutzen, der exakt auf dem ehemaligen Mauerverlauf entlangführt.

Die Invalidensiedlung ist ein städtebauliches Kleinod und war zu Zeiten der Teilung Berlins sozusagen das Ende der Welt. Sie ist immer noch ein verschlafener Winkel, und an den Hausfassaden finden sich die Zeugen der Zeit, in der sie erbaut wurde.

Am nördlichen Ende der Siedlung kann man noch durch die ehemalige Pforte der Siedlung gehen, bevor man nach Hohen Neuendorf kommt.

Der Verlauf der Mauer soll hier mit einem Gedenkpark nachvollzogen werden. Ich kann aber nicht rein, weil der Bereich gesperrt ist. Also muß ich eine kleine Runde durch Hohen Neuendorf drehen, bevor ich wieder auf den Mauerverlauf treffe.

In dem neu angelegten Park steht sogar noch ein Originalteil der Mauer.

Wie überall entlang des Mauerwegs auch hier eine Erinnerungs-Stele an ein Maueropfer. Sozialismus tötet.

Ostseitig der B96 führt der ehemalige Mauerverlauf wieder in den Wald, und das nächste, was man entlang der ehemaligen Grenze gehen kann, ist der offizielle Mauerweg, der hier mit Kopfsteinpflaster ausgebaut ist. Wir wandern wieder durch den ruhigen Wald, umrunden den Hubertussee und wenden uns dann Richtung Süden auf Hermsdorf zu, wo wir mitten durch die Siedlung laufen. Der Verlauf der Mauer ist hier nicht mehr sichtbar, da die Bebauung von Glienicke/Nordbahn (das zum Landkreis Oberhavel gehört) und dem Berliner Ortsteil Frohnau zusammengewachsen ist. Der offizielle Mauerweg führt Richtung Süden bis zur B96, die hier auch die heutige Landesgrenze darstellt.

Auch hier wieder eine Erinnerungs-Stele an ein Maueropfer. Sozialismus tötet.

Dann kommen wir am „Entenschnabel“ vorbei, einer bizarren Besonderheit des ehemaligen Grenzverlaufs, der hier auch mit Infotafeln erklärt wird. Die Grenze zwischen Brandenburg und Berlin verläuft immer noch entlang dieses Zipfels. Man kann dem Mauerverlauf aber nicht mehr folgen, hier ist alles zugewachsen.

Dort, wo der Grenzverlauf aus dem Entenschnabel wieder auf die B96 trifft, diese quert und Richtung Osten weiterläuft, endet unsere heutige Tour; gekennzeichnet durch das zweite gelbe Dreieck auf der Übersichtskarte oben.

Gut 16 km lang ist sie gewesen. Es war eine schöne, ruhige und ereignisarme Wanderung am ehemaligen „Rand der Welt“ entlang. Wir wandern noch bis zum S-Bahnhof Hermsdorf weiter und setzen uns in die S1 Richtung Heimat.

Demnächst mehr auf diesem Kanal!

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