
Dreieinhalb Jahrzehnte Numismatik im Sozialismus
Einführung
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gab von 1966 bis 1990 insgesamt 123 Gedenkmünzen mit den Nominalen 5, 10 und 20 Mark heraus. Sie folgte damit der in der Bundesrepublik bereits 13 Jahre früher begonnenen Tradition der Prägung von hochwertigen Münzen zum Gedenken an kulturell und gesellschaftlich bedeutsame Personen, Ereignisse, Gebäude oder Kunstgegenstände.
Dieses Blog soll kein Katalog oder Verzeichnis sein, das etwa dem „Jäger“ Konkurrenz machen will. Die genaue Klassifizierung und Katalogisierung von Münzen sind seit jeher typische Dauerbeschäftigungen von Numismatikern; die dafür notwendige Literatur ist zahl- und umfangreich – und in den Augen des Verfassers mehr als erschöpfend, um diesen formalen, routineartigen Aspekten der Numismatik Genüge zu tun. Vielmehr möchte ich dazu beitragen, an zahlreichen Beispielen die Besonderheiten der Numismatik der Deutschen Demokratischen Republik zu beleuchten.
Wie alles, was in der DDR staatlicherseits unternommen wurde, waren auch die Gedenkmünzen ein Metier, in dem die ideologische Ausrichtung des Arbeiter- und Bauernstaates ihren deutlichen Niederschlag fand. Dabei entstanden neben eher trockenen und holzschnittartigen Devotionalien für sozialistische Vorkämpfer und -denker auch viele kleine Kunstwerke, die sowohl ihre Schöpfer ehrten als auch ein Schlaglicht auf die auch in der DDR durchaus vorhandene Sensibilität im Umgang z. B. mit historischen Daten werfen.
Dieser Aspekt sowie die teilweise erstaunliche Tiefe der künstlerischen Umsetzung und die nicht immer sofort ersichtlichen Details der auf den Münz-Aversen (Bild-Seiten) abgebildeten Motive sollen der Schwerpunkt dieses Blogs sein.
Die Unterschiede zu den Gedenkmünzen der Bundesrepublik
Im Gegensatz zur DDR waren die Gedenkmünzen der Bundesrepublik von vornherein als Sammlermünzen gedacht und wurden anfangs ausschließlich aus Silber geprägt. Das Nominal wechselte im Westen Deutschlands erst 1972 auf 10 DM.
Die erste Gedenkmünze zu 10 DM der Bundesrepublik Deutschland wurde im Januar 1970 ausgegeben (Prägejahr ab 1970 mit Ausgabe bis 1972). Sie war Teil einer Serie von sechs Münzen anläßlich der Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Die Erhöhung des Nominals von 5 DM auf 10 DM lag auch, aber nicht primär am Silberpreis. Der Wechsel erfolgte vielmehr, weil die 5-DM-Gedenkmünzen ab den 1980er Jahren aufgrund steigender Silberpreise (und sinkender Sammlernachfrage) zunehmend aus unedlem Material (Magnimat, einer Kupfer-Nickel-Legierung) geprägt wurden – die letzten silbernen 5-DM-Münzen erschienen 1979. Die letzte Gedenkmünze zu 5 DM aus Magnimat wurde 1986 ausgegeben (200. Todestag Friedrich des Großen).
Um Sammlern weiterhin attraktive Silber-Gedenkmünzen anzubieten, führte man ab 1987 regelmäßig 10-DM-Münzen aus Silber (625er bis 1997, später 925er) ein. Das höhere Nominal ermöglichte einen größeren Durchmesser und mehr Silbergehalt, ohne den Materialwert den Nennwert übersteigen zu lassen. Ähnliche Gründe führten zur Einführung der 20-EUR-Gedenkmünzen und (zur Zeit der Erstellung dieses Blogeintrags) der für 2026 geplanten Erhöhung des Nominals auf 25 bzw. 35 EUR.
In der DDR hingegen wurde bereits von Anfang an in den drei Nominalen 5, 10 und 20 Mark geprägt. Dies hatte technische, wirtschaftliche und ideologisch-kulturelle Gründe, die im weiteren noch angesprochen und beleuchtet werden sollen.
Überblick über die Gedenkmünzen der DDR
5-Mark-Gedenkmünzen: 47 Stück
Die 5-Mark-Gedenkmünzen der DDR wurden von 1968 bis 1990 geprägt und bestanden überwiegend aus einer Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, die als Neusilber bekannt ist. Ihr silberweißer, glänzender Farbton erinnert optisch an Silber, war aber kostengünstiger und für den Umlauf geeignet. Daneben hatten die „Fünfer“ eine hohe Korrosionsbeständigkeit und eine gute mechanische Festigkeit und Prägbarkeit (Ideal für Münzen mit feinen Details.)

Nur eine Ausnahme gab es: Die 5-Mark-Gedenkmünze „20 Jahre DDR“ von 1969 wurde in einer reinen Kupfer-Nickel-Legierung (ca. 90 % Cu, 10 % Ni) geprägt, die einen bronzefarbenen Ton hatte und in sehr hoher Auflage (über 50 Millionen Stück) für den breiten Umlauf produziert wurde.
Die 5-Mark-Münzen hatten typischerweise ein Gewicht von ca. 9,6 g und einen Durchmesser von 29 mm.
10-Mark-Gedenkmünzen: 42 Stück
Die von 1966 bis 1990 geprägten Gedenkmünzen mit dem Nominal 10 Mark wurden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. 27 Ausgaben der Münzen wurden nicht im oben beschriebenen Neusilber, sondern in Silber geprägt, typischerweise mit einem Silbergehalt von 625/1000, ab 1976 mit einem Silbergehalt von 500/1000.
Es wahrscheinlich, daß sich sowohl kulturell-historische Gründe (Symbolik und ideologische Botschaft) als auch wirtschaftliche Faktoren (Rohstoffverfügbarkeit, Kosteneffizienz, Marktanpassung) in der Entscheidung für unterschiedliche Münzlegierungen gegenseitig beeinflußt haben.
Auch die 20-Mark-Gedenkmünzen, die ebenfalls von 1966 bis 1990 geprägt wurden, wurden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. Neben der gängigen Neusilber-Qualität wurde die überwiegende Zahl der „Zwanziger“ aus Silber mit unterschiedlichem Silbergehalt hergestellt (500/1000, 625/1000 und 800/1000). Ausnahme und „Höhepunkt“ der Gedenkmünzen-Prägung in diesem Nominal ist die 1990 (schon nach dem Fall der Mauer) herausgegebene Münze zum Gedenken an die Öffnung des Brandenburger Tores am 22. Dezember 1989, die in 999/1000 geprägt wurde.

Bereits hier gibt es eine Besonderheit zu bemerken, nämlich die Darstellung der Quadriga auf dem Brandenburger Tor ohne die Insignien des Königreichs Preußen (im Ehrenkranz fehlt das Eiserne Kreuz und auf dem Stab der Preußenadler). Das Brandenburger Tor war häufig Motiv von Gedenkmünzen der DDR in allen Nominalen. Wir kommen auf die Details dieser Münzen noch zu sprechen.
Zur Frage des Wertes und der Seltenheit bestimmter Einzelmünzen ist zu sagen, daß einige Münzen, wie die 20-Mark-Gedenkmünze „Gebrüder Grimm“ von 1986 (Auflage: 3.000 Stück) oder die 10-Mark-Münze „Karl Friedrich Schinkel“ von 1966 (Auflage: 50.000 Stück) aufgrund ihrer geringen Auflage besonders wertvoll sind. Viele 10- und 20-Mark-Münzen bestehen wie erwähnt aus Silber (800/1000 bis 500/1000 Feingehalt), was den Materialwert erhöht. Der aktuelle Silberpreis beeinflußt den Gesamtwert aller Münzen erheblich.
Soviel zur Einführung.
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