Von Staaken nach Hennigsdorf
Heute ging es weiter auf unserem Weg entlang der Berliner Mauer. Wir erinnern uns: Der Weg führt uns nicht (nur) über den Berliner Mauerweg, sondern möglichst exakt auf dem Verlauf der ehemaligen Mauer. Diese Absicht bringt einige Besonderheiten und Herausforderungen, aber das ist ja so gewollt.
In unserem heutigen Abschnitt der Wanderung starten wir in Staaken und wollen bis nach Hennigsdorf wandern, wo die ehemalige Grenze (und mit ihr die Mauer) die Havel überquert.

Diese Strecke verläuft bei der Umwanderung des Spandauer Forsts deutlich abseits des offiziellen Berliner Mauerwegs, was vor allem daran liegt, daß die heutige Grenze zwischen den Ländern Brandenburg und Berlin anders verläuft als zur Zeit der Berliner Mauer.

In Staaken an der B5 geht es los Richtung Norden auf dem offiziellen Mauerweg. Hier stehen auch die entsprechenden Hinweisschilder. Das Wetter ist optimal, wir haben genug Proviant im Rucksack – los geht’s.

Bereits nach wenigen hundert Metern kommen wir an der ersten Gedenksäule für ein Maueropfer vorbei. Anwohner (und womöglich Angehörige) haben zusätzlich noch eine private Gedenkstätte errichtet.


Stellen, an denen solche Gedenkstelen stehen, werden wir heute noch einige passieren.


Auf dem weiteren Weg Richtung Norden wandern wir „zwischen den Welten“. Auf der westlichen Seite des Mauerverlaufs neue, teilweise sehr moderne Häuser, auf der ostwärtigen Seite die alte Bebauung des westlichen Spandau aus der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts. Wir müssen gestehen, daß uns diese Architektur deutlich mehr zusagt.
Wenn man Staaken/Falkensee passiert hat, wird es deutlich ruhiger und wir nähern uns dem Abzweig unseres Wanderweges vom „Mauerweg“. Dort steht wieder eine Gedenkstele und eine Reihe von sehr informativen Tafeln über die Geschichte des ehemaligen Bahnverkehr-Grenzübergangs Staaken und des Abbaus der Mauer.


Wir machen uns jetzt auf und nähern uns dem sogenannten „Eiskeller„.
Der Weg ist ausgesprochen schön zu gehen, auf dem ehemaligen Todesstreifen steht heute üppiger Birkebewuchs, dahinter beginnt die Siedlungsbebauung von Falkenhöh. Hin und wieder trifft man auf künstlerische Hinweise auf die Geschichte dieser Gegend.

Südlich von Schönwalde Siedlung treffen wir dann wieder auf den offiziellen Mauerweg, der hier auch fürs Fahrradfahren bestens ausgebaut ist. Nachdem wir die norwestlichste Spitze des Spandauer Forsts umrundet haben, biegen wir ab Richtung Osten. Auch hier hin und wieder alte Überreste der Grenzanlagen und zwei weitere Gedenkstelen.




Allerdings gehen wir nicht auf dem sogenannten „Eiskellerweg“, sondern ein Stückchen weiter nördlich, entlang des Nieder Neuendorfer Kanals. Hier verlief die Mauer; heute ist dies eine Trasse für eine Hochspannungsleitung. Wir wandern durch typisch brandenburgische Halbsteppe.
An der ehemaligen Nahtstelle zwischen Schönwalde-Siedlung und Spandau gibt es noch eine kleine Gedenkstätte.



Und auch hier finden wir eine Gedenkstele für ein Maueropfer. Der Wikipedia-Eintrag für Schönwalde-Siedlung ist übrigens ein schönes Beispiel für die, sagen wir, tendenziöse Beschreibung der Ereignisse an dieser Stelle:
„Seit 1949 lag der Ort an der Staatsgrenze zu West-Berlin und hatte Unterkünfte für Grenzsoldaten. Bei Fluchtversuchen starben einige Personen.“

Das ist in unseren Augen nicht wirklich präzise und wir helfen dem historisch Interessierten gern auf die Sprünge. Der Wikipedia-Eintrag sollte also lauten:
„Seit 1949 lag der Ort an der Staatsgrenze zu West-Berlin und hatte Unterkünfte für Grenzsoldaten. Bei Fluchtversuchen erschossen die Grenzstruppen hier mehrere Menschen.“
Zusatzaufgabe: Versuchen Sie, den aktuellen Satz in der Wikipedia mit diesem hier genannten zu ersetzen und zählen dann die Sekunden, bis ein wachsamer Wikipedia-Administrator den wieder gelöscht und durch den alten ersetzt hat.
Genug gescherzt, beim Teutates. Wir schlagen uns also nördlich der Berliner/Spandauer Allee in den Wald und versuchen, genau auf dem Grenzverlauf weiter Richtung Osten voranzukommen

Da das hier inzwischen kein Wald- oder Wanderweg mehr ist, sondern nur noch eine Wartungsschneise für die Hochspannungsleitung, ist der Weg nach einigen hundert Metern versperrt. Da in den Berliner Forsten kein Forstbetrieb praktiziert wird, liegen umgeknickte, tote Bäume einfach so rum. Der nächste gelegte Brand wird sich hier reicher Nahrung erfreuen.



Wir schlagen uns also in die Büsche und finden im Wald tatsächlich den alten Grenzverlauf, inklusive Überresten der Stromversorgung für die Grenzanlagen.

An der Niederneuendorfer Allee brechen wir dann aus dem Gehölz und können nach hundert Metern schräg links gegenüber wieder einen vernünftigen Weg nutzen, um die letzte Strecke bis zur Havel zurückzulegen.

Dort treffen wir auf den bestens ausgebauten Mauerweg, der hier gleichzeitig auch ein Abschnitt des europäischen Radweges Berlin-Kopenhagen ist.
Wir wollen ja aber bekanntlich möglichst genau oder wenigstens möglichst nah am ehemaligen Grenzverlauf entlang wandern. Von hier (Papenberge) bis hinauf nach Hennigsdorf verläuft die ehemalige Grenze (und die heutige Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg) in der Mitte der Havel. Aufs Schwimmen verzichten wir heute und versuchen daher, direkt am Ufer der Havel nach Norden voranzukommen.

Das ist auch hier wieder eine sehr „naturnahe“ Erfahrung.



Am Südrand der Marina Papenberge stoßen wir dann wieder auf den Mauer-/Radweg, den wir ab hier bis nach Hennigsdorf nicht mehr verlassen werden. Die Marina Papenberge nutzt noch einige Gebäude des Grenzkommandos Mitte der DDR, das hier eine Kaserne hatte.


Auf Höhe des Ortsteils Nieder Neuendorf gibt es noch eine Gedenkstätte mit einem originalen, erhaltenen Grenzturm, den man sogar besichtigen kann. Wir wandern weiter und queren dann den Havelkanal über die Brücke der deutsch-sowjetischen Freundschaft.



Auf dem jetzt folgenden, letzten Abschnitt wandern wir auf der ostwärtigen Begrenzung des Betriebsgeländes der Alstom entlang. Rechts von uns die Havel, links von uns viele, viele Züge.

Auch entlang dieser Strecke finden sich Gedenkstelen für Maueropfer.




An der südostwärtigen Ecke von Hennigsdorf endet unsere heutige Etappe nach gut 20 km. hier zweigt der tatsächliche Grenzverlauf vom Mauerweg ab. Wir müssen ihn dann auf der nächsten Etappe in Reinickendorf wieder aufnehmen.
Es bleibt noch eine kurze Strecke bis zum S-Bahnhof und wir fahren wieder heim. Allein auf dieser Etappe haben wir Gedenkstelen für 7 Maueropfer passiert. Sozialismus tötet. Freundschaft, Genossen!

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