Der Berliner Mauerweg

Eine Wanderung auf dem Berliner Mauerweg ist sicherlich nichts Neues.

Allerdings macht es einen kleinen Unterschied, ob man den offiziellen Mauerweg geht, oder versucht, dem tatsächlichen Verlauf der Mauer um Berlin zu folgen.

Dies ist mein Vorhaben…

Etappe 1: Von Kladow nach Staaken

Wenn es unser Ziel sein soll, dem realen Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer bzw. dem realen Grenzverlauf zu folgen, dann hat das natürlich den einen oder anderen Haken. Im Südwesten von Berlin verlief die Grenze in einigen Bereichen mitten durch die Havel oder den Wannsee.

Auch auf unserer ersten Etappe hatten wir dieses Problem gleich mehrfach. Der Start war nämlich nicht „an Land“ in Kladow, sondern am Anleger der Fähre F10 in Wannsee (gelber Pfeil mit der „1“), von wo aus wir nach Alt Kladow übersetzten und zunächst eine kurze Strecke Richtung Südwesten an der Havel entlang gingen, um zu unserem Ausgangspunkt zu gelangen.

Die ehemalige Grenze kommt hier von Südwesten um den Sacrower See herum und verläuft direkt am Ufer der Havel. Diesen Abschnitt werden wir ganz zum Schluß als letztes gehen.

Los geht’s also am Wannsee. Bestes Wetter und gute Laune. Was will man mehr?

Auf der anderen Seite des Wannsees befindet sich südwestlich des Anlegers eine Villengegend, durch die man problemlos hindurchlaufen kann. Irgendwann kommt man dann an den Punkt, von dem aus unsere „offizielle Tour“ losgehen soll. Berlin endet hier und der Mauerweg biegt nach rechts ab.

Offenbar ist dies auch ein Abschnitt des ehemaligen Kolonnenweges, dem man an einigen Stellen ansieht, daß hier vor 40 Jahren „die Welt zu Ende war“.

Am südlichen Ende des Groß Glienicker Sees stoßen wir erneut auf eine Stelle, an der der „Mauerweg“ vom Grenzverlauf abweicht. Würde ich hier geradeaus auf der Grenze weitergehen, müßte ich nach 100 Metern mit Schwimmbewegungen beginnen und den See nach Norden zu Wasser durchqueren. Also gehen wir westlich um den See herum. Hier gibt’s noch einige alte Häuser, aber schon bald sind die Straßen gesäumt von einer architektonischen Katastrophe nach der anderen. Ich verzichte auf Fotos…

Am Seeufer auf dem südlichen Abschnitt des Mauerwegs steht diese Infotafel, auf der man den Wahnsinn der kommunistischen Ortszerschneidung nachverfolgen kann.

Am Westufer beginnt der Uferweg, auf dem man direkt am See entlang gehen kann – bzw. könnte. Einige Anrainer haben es offenbar geschafft, beim Grundstückserwerb das selbige bis zum Ufer zu „besetzen“, was dazu führt, daß der Weg abrupt endet. Nach einigen hundert Metern kann man aber wieder zum Ufer hinunter und zwischen einige schönen Gärten und dem See entlang wandern. Der See selbst ist ein Kleinod und liegt traumhaft in der Frühlingssonne.

Am Nordufer des Sees befindet sich eine Gedenkstätte mit einem Rest der Mauer und sogar einigen Metern der ursprünglichen Version, die jetzt als Grundstücksmauer Verwendung finden. Auch der typische Streckmetallzaun steht da noch. Einige sehr informative Tafeln erzählen von der Geschichte des Sees während der Zeit des Mauerbaus und danach. Was für eine verrückte Zeit das war!

Wir gehen dann aus der Siedlung Groß Glienicke hinaus durch das Tor des ehemaligen Rittergutes. Das ist noch gut erhalten, aber ortstypisch von psychisch gestörten Kretins verunstaltet.

Nun müssen wir eine kurze Strecke auf der nordwestlichen Seite der B2 Richtung Spandau wandern. Zunächst geht das noch ganz gut, weil sich da im Laufe der Jahrzehnte ein Trampelpfad gebildet hat, der tatsächlich exakt auf der ehemaligen Grenzlinie verläuft. Schaut man südostwärts durch die Büsche, sieht man den Radarturm des ehemaligen britischen Militärflugplatzes Gatow, der jetzt dem Luftwaffenmuseum als Heimat dient. Dann aber kann man prima auf dem Fuß- und Radweg weitergehen, von dem aus es einige Abzweige in die Gatower Feldmark und die Karolinenhöhe gibt. Man blickt Richtung Berlin und wähnt sich auf dem Land.

Als sollte es ein lebendes Denkmal sein, haben sich einige Bäume im Laufe der Jahrzehnte durch den Zaun des Landschaftsfriedhofs Gatow gekämpft.
Am Eingang zum Friedhof bzw. in der Nähe der dortigen Bushaltestelle befindet sich die Gedenktafel an ein Maueropfer – eine von hunderten entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Sozialismus tötet.

Schließlich beginnt wieder die besiedelte Zivilisation – der Südrand von Spandau. hier befindet sich der „Grenzweg“, der einst die südwestliche Grenze dieses Bezirkes war. Eine Laubenpieper-Kolonie befindet sich hier – immer noch im Dornröschenschlaf wie vor 40 Jahren. Hier verläuft der Mauerweg wieder exakt auf der Grenze. Wir wandern weiter Richtung Nordwesten Richtung Hahneberg, den wir südlich umrunden.

Hinter dem Hahneberg liegt das Fort Hahneberg, das man sogar noch besichtigen kann. In den weitläufigen Wiesen rund um den Berg ist es teilweise wirklich idyllisch und der Kontrast zu den Hochhäusern von Staaken am Horizont ist beeindruckend,

Kurz bevor wir den Endpunkt unserer ersten kleinen Wanderung erreichen, lugt ein kleiner Ein-Mann-Schützenbunker aus der Wiese, zum größten Teil versunken. Er erinnert an die Hostorie dieser Gegend, die einst im Sperrgebiet der Mauer lag.
Wir erreichen die Heerstraße in Staaken und warten auf unseren Bus.
Das war der erste Streich!

Hinterlasse einen Kommentar